Ein Roman von Schalom Asch

Ein Roman von Schalom Asch

beginnt am 1. November in unserem Matte zu erscheinen.

In dem Bestreben, unseren Lesern die Kenntnis der lebendigen Werte des jüdischen Schaffens zu vermitteln, haben wir weder Mühe noch Kosten gescheut, um eines der jüngsten Werke des berühmtesten Erzählers der heutigen Generation in der jüdischen Literatur zum Abdruck in der
“Wiener Morgenzeitung” zu erwerben. Es ist uns möglich geworden, die autorisierte Uebersetzung von Schalom Asch’ populären Roman

“Onkel Moses”

unseren Lesern darzubieten, noch bevor er in Buchform erscheint.

„Onkel Moses” ist der Thpus des kleinen judi-
jchen Fabrikanten, des Kleiderkonfektionars in New-Aork,
bei dem die aus ihrer alien Heimat ausgewauderten, noch
„grunen” Juden ihren Lebensunterhalt finden. Die Kon-
fektionswerkstatte ist ihre neue Heimat geworden und doch
bleiben sie mit der alien Heimat verbunden. Jhr Brotherr
lst ihr „Onkel”; ein Patriarchalisches Vsvhaltnis, in den
kapitalistifchen Unternehmergeist eingeordnet, herrscht zwi-
schen dem Arbeitgeber und denen, die fur ihn arbeiten. Und
beide leben eigentlich noch immer in der alien Heimat,
ihre glucklichen Stunden find von Erinnerungen an ihr
frilheres Leben ausgefullt. Bis dann das Schicksal, das
Amerika heiht, sie erfaht, bis die Kluft zwischen der alien
und der neuen Heimat, welche durch die Illusion der Sehn-
sucht solange uberbruckt war, offen klafft und nur denen
nicht zum Abgrund wild, welche Kraft haben, sie zu uber-
springen.
Die bis zum Weltkrieg sich mi! jedsm neuen Ein-
wanderungsstrom erneuernden
Anfange des judischen Amerika
find es, welche der Dichter meisterhaft erfaht und gestaltet
hat. Der Roman „OnkelMose s”, efn dichterisches Ab-
bild des judischen Ueberganges in der neuen Welt, wird,
wie wir hoffen, unseren Leseru als wertvolle Bereicherung
ihres Wissens um die Vielfaltigkeiten des judischen Lebens
eine willkommeue Gabe sein.